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21.11.2017

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

Diese Worte - die Schlussworte aus dem Theaterstück „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ des deutschen Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht (1898-1956) - werden als Warnung vor einer am Ende des Zweiten Weltkrieges zwar gebannten, aber doch immer noch und immer wieder drohenden braunen Gefahr zitiert. Leider sehr zurecht! Denn das nationalsozialistische Gedankengut mit seiner furchtbaren Menschenverachtung, dem mehr als 60 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, quillt noch immer in den Köpfen vieler Menschen unseres Landes, aber auch überall in der Welt. Das ist sehr gefährlich und führt in seinen verschiedensten Facetten auch nach mehr als 70 Jahren immer noch zu schlimmen Kriegen, zu Völkermord und zu sehr, sehr viel Leid und Elend in der Welt.                                                                   

Wir Lehrer und Schüler des Gymnasiums Südstadt wollen unseren Beitrag leisten, dass das Leid der Opfer des Nationalsozialismus, aber auch das der aktuellen Kriege sowie der politischen und religiösen Auseinandersetzungen niemals vergessen wird!

In Gedenken an alle Opfer, insbesondere des Holocaust während der NS-Diktatur, und an alle, die auch heute noch durch Krieg und Völkermord getötet werden, legen wir jährlich am 9. November, dem Tag der so genannten „Reichspogromnacht“ (1938), an den beiden Stolpersteinen im Falkenweg 7 und in der Benkendorfer Straße 73 eine Gedenkminute ein.

So auch an diesem 9. November 2017. Sechs Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 c informierten die Schüler unserer fünften Klassen über das historische Geschehen, sprachen über das Schicksal der beiden jüdischen Frauen Martha Dittmar und Henriette Sauer, trugen ihnen zu Ehren ein kleines Gedicht vor, legten drei Rosen nieder und entzündeten ein Lebenslicht.

Sie appellierten, dass vor allem die junge Generation dafür Sorge tragen sollte, den Ruf der Weltgemeinschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges endlich Realität werden zu lassen: „NIE WIEDER KRIEG!“

Deshalb riefen alle Teilnehmer der Gedenkveranstaltung auch in diesem Jahr zu mehr Verständnis für andere Menschen und zu gegenseitiger Achtung und Toleranz auf.

Am Ende wurde der „Staffelstab“ der Gedenkveranstaltung von den Elftklässlern an acht Schüler aus der Klasse 9a übertragen, die ab 2018 die Durchführung des Gedenkens leiten werden.

So stimmen wir hier und jetzt in den Epilog des Stückes von Bertolt Brecht ein und sagen:

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt' einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

 

Birgit Decker

(Geschichtslehrerin)

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